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Die Ideenschleuder

Hach, was hatte ich gestern wieder Spaß. Ich wurde spontan von einer Agentur für einen Tag gebucht, um die Teams (Plural!), die seit zwei Wochen (!!!) das Briefing vorliegen haben, bei der Ideenfindung zu unterstützen.

Das macht mir immer Spaß, aber ich habe festgestellt, dass ich nicht nur 20% Speedaufschlag, sondern mindestens 33% Ablehnungszuschlag („Hass-Soli"?) nehmen sollte, denn ein Zuckerschlecken ist das nicht.

Ich bin selber von ganzem Herzen Kreativer, aber einer, wie ich gerne anmerke, der denken kann. Und auch wenn ich jetzt Gefahr laufe, 10 Euro ins Phrasenschwein werfen zu müssen, aber es geht nicht um mich, meine oder Befindlichkeiten anderer, es geht um den Job: (ei)ne Idee. Mehr nicht.

Doch. Für die Damen (Zufall? Ich sach ma: Ja) ging es um Ihre Ehre. Da war es scheißegal, was ich vorschlug, es war da „noch nicht ganz rund" und das habe man „schon 1000mal gesehen" (kannte aber kein einziges Beispiel) oder irgendwas ging „bei dem Kunden gar nicht", aber – Danke, ihr Mütter! – „das kannst du ja nicht wissen!" – Hübsch, nicht wahr?, dieser feinsinnige Humor empathiefordernder Zeitgenossinnen.

Ich kann ja nichts dafür, dass ich relativ schnell relativ viele Einfälle habe, von denen einige auch das Potenzial haben, eine Idee zu werden. Ist halt so. Allerdings/Immerhin habe ich mir schon vor Jahren abgewöhnt, „Das ist ja offensichtlich/einfach/nahe liegend." o.Ä. zu sagen, da ich irgendwann mal halbwegs habe nachvollziehen können, dass das auch beleidigend ankommen kann. Also fokussiere ich mich nur auf  die Idee und ihre Präsentation. Aber hier warteten die Geschwader. (siehe obiger Absatz)

Über ihre Idee verlor ich kein Sterbenswörtchen. Schließlich war es mein Job, etwas Eigenes vorzustellen und nicht etwas anderes zu kritisieren. Außerdem hätte das ja nur zu einer weiteren Eskalation geführt. Dass ich aber schwieg, fiel den Damen wahrscheinlich gar nicht auf. Meinen Auftraggebern schon. Und damit war eigentlich auch alles gesagt …

Übel. Und ich finde, dass Agenturchefs nicht müde werden können, ihrer doch bisweilen ans Autistische grenzend selbstverliebten Kreativbelegschaft klar zu machen, dass sie einem zwar lieb und teuer sind, aber nur Ideen Geld bringen. Eitelkeiten bringen nichts.

Bild: Manager-Magazin

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